Bewegung, Begegnung, Berlin – Sport für neue Wege

Sport kann mehr, als Körper in Bewegung zu bringen. Er kann stabilisieren, verbinden und Perspektiven eröffnen. Dieses Projekt hat gezeigt, was möglich ist, wenn Angebote niedrigschwellig, bedarfsorientiert und wertebasiert sind.

In Berlin setzten wir uns mit Herz und Engagement dafür ein, die körperliche und mentale Gesundheit von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stärken. Unser Sportprojekt schafft sichere Räume, in denen Bewegung, Begegnung und Vertrauen wachsen können – mitten im Kiez, unter freiem Himmel, mit viel Freude und Abwechslung.

Viele Menschen mit Fluchterfahrung verbringen Monate – manchmal Jahre – in einem Zustand ständiger Anspannung. Gerade Kinder und Jugendliche tragen diese Unsicherheit oft still in sich. Unser Ansatz ist bewusst einfach und gleichzeitig sehr wirksam: Wir schaffen sichere, niedrigschwellige Bewegungsräume dort, wo die Menschen bereits sind – in Unterkünften, sozialen Einrichtungen und in der Nachbarschaft. So wird Sport zum Zugang: zu Gesundheit, zu Selbstvertrauen und zu menschlicher Verbindung.
Das Projekt wurde von Butterfly by Yusra Mardini konzipiert und umgesetzt.

Im Verlauf des Projekts haben wir 79 Trainingseinheiten mit insgesamt 166 Trainingsstunden in ganz Berlin durchgeführt. 229 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nahmen teil – viele davon regelmäßig. Insgesamt wurden über 1.000 Teilnahmen erfasst. Diese Zahlen stehen nicht für Leistung, sondern für Verlässlichkeit: Angebote, die Woche für Woche stattfanden – und konsequent angenommen wurden.
Die Einheiten fanden an sechs Standorten in Berlin statt. Unser Team bestand aus fünf Coaches mit eigener Fluchterfahrung, unterstützt durch einen weiteren Coach. Diese Vielfalt an Perspektiven war entscheidend: Sie stärkte Vertrauen, schuf Vorbilder und ermöglichte Begegnung auf Augenhöhe. Inhaltlich setzten wir bewusst auf Abwechslung – von Fußball und Laufen über Achtsamkeitsangebote, erlebnispädagogische Einheiten, Indoor-Surfen bis hin zu vielfältigen Kindersportformaten. Nicht jede Einheit musste laut sein, nicht jede leistungsorientiert. Entscheidend war, dass jede*r einen Platz finden konnte.

Ein besonderes Highlight waren zwei Sportfeste für Vielfalt in Berlin-Pankow und Berlin-Tempelhof. Über 500 Besucher*innen kamen zusammen – Familien, Kinder, Nachbarinnen und Sozialarbeiterinnen. Sport wurde zu einem Begegnungsraum in der lokalen Gemeinschaft. Unterschiede traten in den Hintergrund, während gemeinsame Erfahrungen in den Mittelpunkt rückten.

Gleichzeitig haben wir bewusst in Qualität investiert: 25 Coaches nahmen am Sport Coach+ Course teil – einem spezialisierten Ausbildungsprogramm, das gemeinsam mit der Olympic Refuge Foundation und der Red Cross Red Crescent Movement entwickelt wurde. Im Fokus standen traumasensibles Coaching, mentale Gesundheit und sichere Sportumgebungen. Denn Wirkung entsteht nicht zufällig – sie braucht Werte, Wissen und Reflexion.

Das Feedback aus Unterkünften und von Eltern war eindeutig: Die Kinder wirkten ausgeglichener, selbstbewusster und aktiver. Das Programm wurde gebraucht – und wirklich willkommen geheißen. Gleichzeitig wurden auch Herausforderungen sichtbar: Nachhaltige Wege in den organisierten Vereinssport bleiben komplex und benötigen Zeit, Ressourcen und flexible Strukturen.

Unser Fazit ist dennoch klar: Sport kann mehr, als Körper in Bewegung zu bringen. Er kann stabilisieren, verbinden und Perspektiven eröffnen. Dieses Projekt hat gezeigt, was möglich ist, wenn Angebote niedrigschwellig, bedarfsorientiert und wertebasiert sind. Darauf bauen wir auf – gemeinsam mit starken Partnern und der Überzeugung, dass wirkliches Ankommen immer auch Raum braucht.

Das Projekt wurde durch Fördermittel der Deutschen Postcode Lotterie ermöglicht, die soziale Initiativen zur Förderung von Chancengleichheit unterstützt. Zusätzlich erhielten wir Unterstützung von ORIS, deren Engagement dazu beitrug, Qualität und Verlässlichkeit des Programms sicherzustellen. Diese Partnerschaften waren ein entscheidender Faktor, um aus einer Idee gelebte Praxis zu machen.